Sonntag, 1. November 2009

Schabbat Blues

Eine akute Welle von Heimweh erfasste mich gestern. Sehr untypisch für meiner einer, da ich ansonsten eher dem Fernweh verhaftet bin. Vielleicht bin ich ja genug gereist, hab genug gesehen, so dass mein Gehirn sagt: "Zuhause ist es doch am Schönsten, gell? Ich sagte, GELL?"

Man kann mich ja kleinlich nennen, aber ich mag meine Heimat (habe fünfmal überlegt, ob ich dieses Wort wirklich verwenden soll), ich finde es schön, dass die Steckdosen in der Wand sind und diese mir nicht ihre Kabelinnereien entgegenkotzt, ich finde es schön, zu sehen, dass die Kacheln in der Dusche weiß sind und nicht ahnen zu müssen, dass sie es mal waren, ich finde es schön, mit dem Bus zu fahren, ohne vorher überlegen zu müssen, wo ich mein Testament schon wieder hingelegt habe, ich finde es schön in einem Land zu leben, in dem Zebrastreifen existieren, in dem das Leitungswasser nicht nach Chlor riecht, in dem ich jederzeit Zugang zu einem Buchladen habe, der deutschsprachige Literatur führt, in dem Haribo von den Bäumen wächst und Katjes von den Sträuchern, ich finde es schön zuhause.

Also hockte ich gestern auf meinem Bett, knatschte vor mich hin und überlegte, wie ich meinem Umfeld erklären soll, dass ich jetzt schon wieder nach Hause käme. Stattdessen rappelte ich mich auf, stellte bei iGoogle einen neuen Countdown ein (79 Tage bis zum Rückflug) und aß geschätzte 11kg Nutella.
Danach ging's ein wenig besser und als ich schließlich am Abend #duweisstschon12 per livestream sehen konnte, war es fast, als wäre ich zuhause.