Montag, 16. November 2009

Meine Freundin DHL

Manchmal habe ich den Wunsch zu töten. Nur manchmal. Aber dann immer aus gutem Grund. Oft wegen Unhöflichkeit. Meistens wegen Dummheit. Hin und wieder wegen beidem.

Das Objekt meiner aktuellen Tötungsbegierde ist und bleibt seit drei Wochen auf Platz 1 meine Vermieterin. Dass sie Protestantin ist und in ihrem Arbeitszimmer ganz furchtbar viele dumme Bücher über das Christentum stehen hat, ist ja eigentlich schon Grund genug.
Dass ihr nach einer Woche einfällt, dass ich für Strom nun zusätzlich was zahlen muss, ist da nur ein weiteres i-Tüpfelchen. Von der Schlüppi-Geschichte will ich gar nicht erst wieder anfangen - der Schmerz des Verlustes sitzt noch zu tief.
Zwischendurch behauptet sie auch gerne Sachen, die nicht stimmen, die ich ihr aber zuerst glaube, da sie ja schon so lange hier lebt (wie die Tatsache, dass sie behauptet hat, es gäbe nur einen Bahnhof in Jerusalem.. und ich mich dann frage, wie ich es geschafft habe, an dem zweiten, kleineren Bahnhof am Zoo am vergangenen Donnerstag einzusteigen.. aber die haben sicherlich nur angehalten, weil meine Brüste so hübsch ausschauten an dem Tag).

Und nun aktuell, nur wenige Minuten alt, der DHL-Vorfall.
In meinem grenzenlosen Optimismus lasse ich mir ein wirklich sauteures Paket von Deutschland hierher schicken. Dass das seine Tücken hat und schon mal zwei Monate dauern kann, bis es beim Empfänger ankommt, weiß ich schon aus eigener Erfahrung. Dennoch, man kann unmöglich von mir verlangen drei Monate auf Katjes Fred Ferkel zu verzichten! Das ist unmenschlich! Geradezu Guantanamoverdächtige Zustände. Gut, es sind noch einige andere Dinge in dem Paket, aber seien wir ehrlich, es geht mir hauptsächlich um diese in Fruchtgummi gegossene Schweinefressen.
Der Planungsprozess gestaltete sich vorab schon schwierig. Go! wollte eine Summe haben, die ich hier gar nicht erst wiedergeben will, nur so viel, mit € 50,- schienen wir bei der Deutschen Post schon billig wegzukommen.
Bezüglich der zu beliefernden Adresse ergab sich im Vorfeld mit meiner schlauen Vermieterin schon ein latent anmutender Disput. Ich wollte, dass das Paket an die Postadresse geschickt würde. Nein, das wäre keine gute Idee, dann müsste ich ja extra zu Hause bleiben meinte sie - offensichtlich ein Umstand, der sich nicht schickt in Israel.. oder unter Protestanten.. ich weiß es nicht. Daher sollte das Ganze an ihr Postfach geschickt werden. Alles klärchen. Haben wir gemacht und DHL wurde vor 1,5 Wochen feierlich, mit Fanfaren und Segenssprüchen von Kardinal Meissner, mit dem Transport beauftragt. Und durch diese äusserst schicke Paketverfolgungsgeschichte im Internet konnte ich täglich den Status meiner Katjes-Schätze kontrollieren.
Dann heute Morgen erste Irritationen: "16.11.09 08:57 Uhr Erfolgloser Zustellversuch (Empfänger wurde nicht angetroffen)" Entschuldigung? Wie kann das sein? Bei einem Postfach? War das Postfach krank? War es der Arbeit einfach ferngeblieben? Man rief bei der Post in Deutschland an, wo irgendetwas Immigriertes aus dem Osten unklare Auskünfte gab.
Dann endlich kam die Vermieterin nach Hause, wo sich diesbezüglich gerade folgender Dialog entwickelte:

Moi: "Die DHL sagt, sie hat versucht das Paket auszuliefern, hätte aber niemanden angetroffen. Was ist denn normalerweise der nächste Schritt, wenn du ein Paket bekommst?"
Vermieterin: "Hast du eine Karte?"
Moi: "Was für eine Karte?"
Vermieterin: "Die Benachrichtigung im Briefkasten?" [eine Frage, die ich nicht beantworten kann, da ich gar keinen Briefkastenschlüssel besitze]
Moi: "Nein, das steht im Internet. Und die von der DHL sagen, wir bzw. ich soll mich mit der Poststelle in Jerusalem in Verbindung setzen."
Vermieterin: "Das Paket hast du hierhin geschickt?" [sie zeigt mit dem Zeigefinger auf dem Boden, als wenn >hierhin< sonst auch Ürümqi bedeuten könnte.. und als wenn es sonnenklar gewesen wäre, dass ich es an die Postadresse schicken sollte.. ich begann an dieser Stelle mit den Kiefern zu mahlen und sprach nun ganz langsam, gleich so, als wenn man mit einer völlig senilen Person spräche]
Moi: "Nein, du hast ja gesagt, ich soll es an dein Postfach schicken!"
Vermieterin: "Dann ist es noch nicht da. Das dauert seine Zeit bis sowas hier ankommt."
Moi: "Das weiß ich. Aber die DHL sagt, das Paket ist schon hier."
Vermieterin: "Die Deha'el, deine Freundin sagt das." [an dieser Stelle musste ich doch kurz innehalten, um ausgiebig ungläubig zu blinzeln.. sie lebt zwar in Israel, aber nicht völlig abgeschnitten von dem, was in Deutschland so vor sich geht]
Moi: "DHL. Die Deutsche Post."
Vermieterin: "DKL."
Moi: "D-H-L!"

Ich überlasse den restlichen Dialog der Fantasie des geneigten Lesers. Er endete damit, dass sie, trotz fehlender Karte im Briefkasten [von dem sie mir mal erzählte, dass die Nachbarskinder ohnehin mit einer schier unbändigen Freude diesen leerräumten] sich bereit erklärte am Mittwoch bei der Poststelle vorbeizugehen und ich mit knirschenden Zähnen die Tür zu meinem Zimmer hinter mir schloss.

Hier sitze ich nun. Kramphaft überlegend, warum Galerius sich damals für die Einstellung der Christenverfolgungen entschieden hatte, und wo ich auf die Schnelle einen Löwen herbekäme.