Montag, 21. September 2009

Jahwes Zorn.. mal wieder

Das junge Ding mal wieder. Quietschvergnügt läuft sie durch die Wohnung und macht sich für den Tag fertig. Sie rast vom Bad zum Schreibtisch, vom Schreibtisch zum Kleiderschrank, vom Kleiderschrank zur Spüle. Bei letzterer dreht sie den Wasserhahn auf, sie muss noch Geschirr spülen, bevor sie geht.
Das junge Ding wuselt weiter herum. Fönt sich die Haare. Nimmt die Wäsche vom Reck. Hüpft zum Schreibtisch, um ein wenig zu twittern. Doch plötzlich - was ist das für ein Geräusch? So seltsam, und doch vertraut? Das Gesicht des jungen Ding spiegelt urplötzlich den Moment klarer, aber grausamer Erkenntnis wieder. Sie reisst ebendieses Gesicht vom Computerbildschirm hoch und starrt zur Spüle, wo fröhlich blubbernd und zischend das Wasser überläuft. In äthiopischer Rekordgeschwindigkeit hastet sie die zwei Meter hinüber und versucht verzweifelt der Flut Einhalt zu gebieten. So muss es Ramses ergangen sein, denkt das junge Ding, als er versuchte sich gegen die Wasserberge zu stemmen, die Moses ihm zusammen mit diesem grimmigen Jahwe entgegengeschickt hatten. Das junge Ding sieht sich semi-panisch um, aber dummerweise hatte sie keinen Stab, mit dem sie dem Wasser hätte befehlen können. Stattdessen greift sie nach jedem Stück Stoff, dem sie habhaft werden kann.
Und während sie tupft und reibt, wischt und rubbelt, denkt sie so bei sich: Komisch, wieso sind denn meine Socken so nass? Ein Blick gen Fussboden verrät dem jungen Ding, dass Jahwe das Wasser heimtückisch unter dem Kühlschrank hervorschießen lässt. Ein Schrei des Entsetzens entfährt dem jungen Ding. Schließlich hieß das, sie musste nun neue Socken anziehen.


Eine halbe Stunde später scheint das Chaos gebändigt, die Wassermassen von tausenden Handtüchern aufgesogen und Jahwes Zorn besänftigt. Das junge Ding sitzt kopfschüttelnd auf dem Bett und wechselt die Socken. Ein drittes Mal, denkt sie sich, darf mir das aber nicht passieren.