Freitag, 12. Juni 2009

Monchichi

Es ist Freitag Nachmittag und ich bahne mir meinen Weg durch die Bonner Nordstadt zu dem Ziel meiner Wahl: einem Seniorenheim, wo ich zukünftig gerne dem Ehrenamt frönen würde. Was tut man nicht alles, um sich selbst zu beweisen, dass man ja doch nicht ein soo schlechter Mensch ist..
Vorne beim Pförtner sitzen die beiden selben Alten, die auch schon am Dienstag da gesessen haben. Ich muss mich fragen, ob ich das später sein werde: den ganzen Tag in der Eingangshalle auf einem Stuhl sitzen und auf Besuch warten, der ohnehin erst am nächsten Feiertag kommt.
Ich marschiere zum Cafe, wo schon eine Rotte Senioren auf Kaffee und Kuchen warten. Ich warte mit ihnen. Schließlich soll ich noch eingearbeitet werden und einer anderen Hilfskraft heute zur Hand gehen. Die andere Hilfskraft stellt sich als Monchichi mit Falten heraus, die beinahe in Panik verfällt, als sich herausstellt, dass wir uns beide auf die Freitag Nachmittag Stelle gemeldet haben. Sie hätte nur Freitag Zeit, das würde ihr am besten passen, ansonsten hätte sie keine Zeit, fängt sie an loszusprudeln und ich ahne, dass ich ein Monchichi der anstrengenden Art vor mir habe.



Da ich keine stumpfen Gegenstände in Griffnähe habe, lächel ich und versichere ihr, dass ich sicherlich nicht mit ihr in Konkurrenz treten wolle, schließlich werde für den Donnerstag Morgen ja auch noch jemand gesucht. Ich biete ihr aber an (schließlich bin ich ja nett), heute etwas zu helfen.
Dies erübrigt sich aber nach etwa 10 Minuten, da sie selbst von einer Küchenkraft in die Mysterien des Cafes eingeführt wird und drei Leute auf einer Arbeitsfläche von etwa fünf Quadratmeter doch etwas kontraproduktiv sind.
In diesem kleinen Seniorencafe, wo sich die Rentner ihr Käffchen und Teechen selbst an der Theke abholen müssen, bricht unter den beiden betuchten Arbeiterinnen innerhalb kürzester Zeit der blanke Stress aus. Ich erinnere mich an die sonntagliche Spätschicht in der Rheinlust, wo ich im Sommer Essen für gut und gerne 100 Leute an die Tische bringen musste, und grinse spöttisch über Frau Monchichi, der im Angesicht der aus zwei Personen bestehenden Kundschaft in blanke Hysterie verfällt.

Ich grinse weiter, nehme meine Tasche, verabschiede mich, überlasse den Monchichi der nahenden Herde von tortensüchtigen Senioren und reite winkend in den Sonnenuntergang.