Sonntag, 24. Mai 2009

Mormon und Moroni

Am Sonntag Morgen finde ich endlich die Ruhe die liegen gebliebenen SPIEGEL durchzuackern. Dabei stoße ich auf einen Artikel über den Ursprung der moralisch fragwürdigen Verhörmethoden der CIA im nie endenwollenden Krieg gegen den Terror. Obama hatte die ganze Welt ja erst letztens ein wenig enttäuscht, weil er bezüglich Aufarbeitung nicht ganz so vorgehen will, wie wir es alle gerne hätten. Aber darum geht es mir nun nicht.

In dem Artikel stand, dass die speziellen Foltermethoden (die ja allesamt nicht neu erdacht wurden) von zwei Psychologen für die CIA weiterentwickelt wurden. Bruce Jessen und James Mitchell. Beide waren Ausbilder im SERE-Programm, einem Militärprogramm, dass Soldaten auf den Fall einer Gefangennahme vorbereitet. Folter auf Probe sozusagen. Sieht man Bilder von Jessen und Mitchell könnte man sie auch einfach für Bösewichter aus einem Film halten.
Das schöne bei den Beiden ist nun, sie sind beide überzeugte Mormonen. Als ich das las, wurde ich ein wenig stutzig. Mormonen? Waren das nicht Christen? So, strenge? Ach ne, das waren diese Amish. Gehörten mal zu den Mennoniten. Bei den amerikanischen Glaubensgemeinschaften soll mal einer den Überblick behalten. Und was waren jetzt die Mormonen? Ich forschte nach. Schließlich wusste ich nicht recht, wie man hauptberuflich überzeugter Christ (Nächstenliebe, Güte etc. etc.) sein kann und als Hobby Waterboarding betreibt!?

Die Mormonen glauben an einen Propheten, logischerweise mit dem Namen Mormon, der im 4. Jahrhundert nach Christus in Amerika gelebt haben soll. Im Buch Mormon werden einige dufte Städte und Stämme genannt, von denen kein Historiker wohl je gehört hat. Was die Mormonen ja nicht hindert, das Buch als Geschichtswerk anzusehen (so wie mancher Katholik das Neue Testament). Da das ganze ein wenig verwirrend erzählt ist und auch ein klein wenig absurd wirkt, soll auf den Inhalt des Buches nicht näher eingegangen werden.
Jetzt kam es aber im 19. Jahrhundert dazu, dass der Sohn Mormons, mit dem schönen Namen Moroni, sich dem Amerikaner Joseph Smith zu erkennen gab (nachdem jener auch schon mal mit Gott und dessen Sohn persönlich verkehrt hatte), als so eine Art Engel, der Smith auftrug die Heiligen Schriften ins Englische zu übersetzen. Und Zack! (so schnell geht das) hatte man eine neue Religion gegründet.

Auch wenn sich die wundervolle Welt der Mormonen mir überraschend komplex und wahnwitzig präsentiert - und ich nicht sicher bin, was ich von einem Menschen halten soll, der an das Buch Mormon glaubt - erschließt sich mir recht schnell, dass Mormonen (schließlich stammte Mormon ja aus dem Stamm der Nephiten, die mal ein Stamm Israels waren *unterdrückteslachen* und dann nach Amerika ausgewandert sind, woraus sich der Patriotismus der Mormonen ergibt) als geistige Ur-Amerikaner zum gnadenlosen Patriotismus ja beinahe verpflichtet sind. Christliche Nächstenliebe kommt da an dritter Stelle, nach der Vielehe. Somit steht Folter auch nicht im absoluten Gegensatz zum christlichen Glauben.

Ist ja für eine gute Sache, für Amerika. Das Heilige Land der Mormonen. Na dann, alles klar, wieder was gelernt..