Mittwoch, 29. April 2009

Salam und so!

Freilich könnte ich meine mangelnde Aktivität hier in diesem Monat meinen Poppelsdorfer Freunden in die Schuhe schieben. Schließlich sind deren Blogs gänzlich zum Erliegen gekommen und ich wurde schlicht und einfach von ihrer Cyberlethargie infiziert. Aber ich muss gestehen, dass ich einfach nicht die Zeit gefunden habe.

Zuerst war das Praktikum und zeitgleich die 5.000 parallel zu schreibenden Hausarbeiten. Mir wurde in den Semesterferien die Energie förmlich aus den Adern gesaugt..

Und kaum hatte das Semester vor drei Wochen wieder angefangen, kam der nächste Stress. Wenn ich nicht im Büro war, war ich in der Uni, wenn ich nicht in der Uni war, war ich zuhause lernen, wenn ich nicht zuhause lernen war, war ich in der Unibücherei, wenn ich nicht in der Unibücherei war, war ich im Büro.

Und im Hinterkopf hatte ich die ganze Zeit, dass ich am 1. Mai gen Mittelmeer aufbrechen würde. Ich musste einen Flug buchen, schöne und nicht allzu teure Unterkünfte finden und gleichzeitig stellte ich fest, dass der Inhalt meines Kleiderschranks nicht islamfreundlich war.
Sicherlich, ich hatte Kleidung, die alles verdeckten, nur trug ich diese Kleidung im deutschen Winter bei -10 Grad. Mein Wintermantel war wenig geeignet, um bei 40 Grad durch Luxor zu flanieren. Also begab ich mich in die gesellschaftlichen Untiefen der Kölner Innenstadt, um erfolgreich meine äußerst verführerischen Schulterknochen vor den lüsternden Blicken junger Ägypter zu verhüllen.

Nachdem ich auch dies gemeistert hatte, musste ich nur noch zwei Referate in der Uni halten. Das eine war über die Unabhängigkeit Indiens. Ich will da ganz ehrlich sein, ich habe wirklich nur, aber auch nur, meinen Referatsteil vorbereitet, alles was darüber hinaus ging, war und ist ein schwarzes Loch an Wissen und Daten.
Als mein Professor sich dann erdreistete bei mir noch einmal nachzuhaken (wahrscheinlich konnte er meine latente Unwissenheit riechen.. so wie ein Hai kilometerentferntes Blut im Meer riechen kann), kramte ich alles Wissen, was mir der Film "Gandhi" mit Ben Kingsley annodazumal vermittelt hatte zusammen und blöffte, was das Zeug hielt. Zu meiner Überraschung halbwegs erfolgreich. Bei dem anderen Referat war ich aus vielerlei Gründen besser vorbereitet.. obwohl ich vielleicht nicht hätte sagen sollen, dass Maxentius im Tiber ersoffen ist.

Wie auch immer, nun sind es keine zwei Tage mehr bis ich meine bleichen Füßlein auf altägyptischen Boden stelle. Bis dahin muss ich die üblichen Reise-To-Do-Listen abarbeiten, nebenbei im Büro arbeiten (da die Aushilfe, die extra zusätzlich eingestellt wurde, von heute auf morgen gekündigt hat, weil sie was anderes gefunden hatte.. na ja, mir war die Person von Anfang an suspekt.. wer heißt denn auch Liudmila?.. außerdem hatte sie denselben Promodschal wie ich, da war mir schnell klar, mit der würde ich nicht grün werden..) und ich musste heute meinen Roller zur Reparatur bringen.

Ja, ich habe nun einen Roller. Er heisst Fandor oder intern einfach nur das wrumm-wrumm-rad. Und als wenn seine bloße Anschaffung nicht schon ein Kampf gewesen wäre (da mein Umfeld es sich im April zum Hobby gemacht hatte deswegen verbal auf mich einzuschlagen.. Zusammenfassung: "Roller böse!"), habe ich mich ca. 24 Std. nach dem Kauf mal ganz geflegt auf die Fresse gelegt und habe, während ich in einer horizontalen Position die Straße entlang schredderte, den Asphalt mal aus der Nähe betrachtet. Muss auch mal sein. So lerne ich dank Fandor Bonn aus ganz neuen Blickwinkeln kennen. Der Schaden hält sich in Grenzen, sowohl Fandors, als auch der meine (obwohl die Farbenvielfalt auf meinem Bein wirklich prächtig und fantasievoll war).

So, im Grunde war's das. Das war mein April. Tata!

Am Freitag fliege ich für 16 Tage nach Ägypten (und schwänze Uni und Arbeit). Erst nach Kairo, dann über Land den Nil runter nach Luxor, weiter nach Assuan und Abu Simbel und schließlich ans Rote Meer nach Hurghada. Ich bin sicher, dass nicht weniger Katastrophen als in Israel auf mich warten werden, ich werde als typisches Touristenopfer (mit Brüsten) mehr als einmal völlig entnervt die Hotelzimmertür hinter mir zudonnern und das ein oder andere Mal halblaute Fluche vor mich her murmelnd zwischen irgendwelchen nubischen Ruinen herumirren.
Aber ich werde überleben, viele Fotos, Geschichten und Anequdoten im Gepäck haben und vielleicht, vielleicht werde ich ja auch ein wenig braun. Wenn ich zwischendurch mal an einen PC komme, werde ich berichten.

Bis dahin, Salam und so!