Samstag, 7. Februar 2009

Rückkehr der Zauberfee

Es ist Freitag vormittag. Nach einer unruhigen Nacht finde ich mich um kurz nach zehn im Bonner Münster wieder. Es ist ein trauriger, um nicht zusagen bemitleidenswerter Anblick, wenn sich Agnostiker vor lauter Prüfungsnervösität genötigt sehen bei Gott Zuflucht zu suchen. Ehe ich mich versehe, zünde ich vier Kerzchen an (Kirchen-Marktwirtschaft: eine Kerze für bestanden, zwei Kerzen für eine Drei, drei für eine Zwei und vier Kerzen für eine Eins) und setze mich für ein kurzes Zwiegespräch mit meinem Schöpfer, an dessen Existenz ich sporadisch glaube, aufs Betbänkchen. Aber ob ich an Gottes Existenz glaube oder nicht, spielt für Gott keine Rolle, denn er glaubt an meine Existenz und damit hat er die Fäden in der Hand.
Ich sitze also so da, inhaliere den Weihrauch des letzten Gottesdienst, sinniere darüber was für ein moralischer Moloch doch die christliche Kirche ist (ein Gruß an Richard Williamson) und bitte Gott nicht um eine gute Note, sondern nur um Gelassenheit. (Man bittet Gott nicht um Dinge, dafür geht man aufs Amt)

Eine halbe Stunde später sitze ich im Wartezimmer meines Professors. Vor mir ein junges Ding, kalkweiß im Gesicht, Tränen in den Augen. Sie war schon dran und verbale Bruchstücke aus ihrem Munde lassen mich nur vermuten, dass sie die Fragen nicht zur vollen Befriedigung aller beantwortet hat. Da sie offenbar selbst von ihrem Versagen so überrascht ist, verbringe ich die nächsten Minuten in einem wachkomaähnlichen Zustand, in dem mir tausend Dinge in den Sinn kommen, die ich nicht weiß (paradox, ich weiß). Bevor ich aber die von Gott so bereitwillig zur Verfügung gestellte Gelassenheit wieder gänzlich verliere, beginnt um 11h meine Prüfung.

Sieben Minuten später beendet der Professor meine Prüfung vorzeitig. Ich kann nichts dagegen tun. Offenbar hatte er alles gehört, was er hören musste.. die Zauberfee hatte wieder zugeschlagen.



Ich möchte jetzt hier gar nicht meine Note nennen *räusper*EINS*hust*, so ein prahlerisches Gehabe habe ich gar nicht nötig, das macht nur unbeliebt... andererseits, wenn ich Gott auf meiner Seite habe, wozu dann noch Freunde?!
Ich werde am Wochenende eingehend darüber nachdenken, während ich mich in meinem Ruhme sonne..