Samstag, 14. Februar 2009

Bonn ist schöner als Berlin


Ich war in Berlin.
Muss man zwischendurch, so als Deutscher. Steht im Grundgesetz.



Jetzt war ich natürlich schon mal in Berlin, aber noch nie alleine und vor allem alleine mit Zug und Bahn. Das ist bei mir mit einem prinzipiellen Risiko verbunden, da ich die unerklärliche Neigung habe an Orten zu landen, deren Erreichen ich beim Betreten des Zuges nicht beabsichtigt habe (Einen herzlichen Gruß nach Pulheim an dieser Stelle). In keiner Stadt in der ich jemals war, habe ich mich NICHT fürchterlich verlaufen. Dennoch fuhr ich mit einer ordentlichen Prise Optimismus nach Berlin, denn ich würde mir meine Praktikumsstelle für den Spätsommer ansehen und alte Freundschaften aufrischen.

Ich will jetzt hier gar nicht mit den einzelnen Tätigkeiten während meines Kurztrips langweilen, das kann man auch im Reiseführer nachschlagen, sondern das Elementare straff und preußisch zusammenfassen.

Berlin an sich ist ein wenig oll. Es ist dreckig, kaputt und an den meisten Stellen auch ziemlich hässlich. Hinzukommt die Kälte, wie wir wissen, beginnt östlich der Berliner Stadtgrenze im Grunde die russische Tundra, und daher weht im Winter ein wirklich fieses Windchen durch die Stadt.
Der Berliner per se ähnelt seiner Stadt auf verblüffende Weise. Auch er ist ein wenig oll und nicht selten dreckig. Natürlich gibt es solche und solche, aber ich habe eher solche gesehen. Shampoo-Verweigerung scheint ein Sport zu sein, dem sich die Berliner mit Wonne und ungezügeltem Ehrgeiz hingeben. Auch ist der Berliner prinzipiell sehr stolz auf seine Stadt, deren Größe bei jeder Gelegenheit gepriesen wird ("Woher kommen Sie denn?" "Aus Bonn." "Uh. (Pause) Ja, da werden Sie aber die Unterschiede merken, ist ja alles viel größer hier." "Sie mich auch.").
Dass Berlin so verdammt riesig ist sehe ich als Ur-Bonnerin aber eher als Manko, da ich gewohnt bin innerhalb von 20 Minuten von dem einen Ende der Stadt zum anderen zu kommen. Alleine zu meinem Praktikumsplatz am Wannsee brauchte ich über 90 Minuten. Da ziehe ich doch meine fesche Kleinstadt vor (seien wir ehrlich, Bonn ist einfach unfassbar schön schnuckelig).

Wannsee im übrigen war ja vor allem zu Nazizeiten mal ein beliebtes Fleckchen. Der Wannsee ist auch immer noch sehr schön. Von den Gebäuden drum herum kann man das jetzt nicht so sagen.. Ich glaube, selbst die Berliner wollen inzwischen nicht mehr am Wannsee wohnen. Es ist zwar noch schick zu sagen, dass man da lebt, aber heimlich haben sie dann einen zweiten Wohnsitz am Brenzlauer Berg oder in Wedding.

Aber ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass ich Berlin nicht mag. Berlin ist zum Beispiel überraschenderweise recht leise und ruhig. Außerdem gibt es dort natürlich auch viel zu sehen, obwohl das Holocaust-Mahnmal eher eine Reaktion bewirkt wie "Oho! Was'n das?"..


Und ich möchte nicht den herausragendsten Vorteil einer großen Stadt unterschlagen: Ghettos. Ich nenne das Ding jetzt mal beim Namen, ganz ohne den dysphemistischen Beigeschmack. Denn so Ghettos wie Neukölln haben den grandios Vorteil, dass Berlin Mitte praktisch frei von, nennen wir es mal, sozialen Elementen niederen Niveaus ist.
Oh, das hört sich ganz fies an, aber wenn man normalerweise in einer Welt lebt in denen die Mitglieder der Auerberger Subkulturen sich eben auch ins Bonner Stadtzentrum verirren, dann ist es eben auch mal ganz schön für ein paar Tage nur unter Menschen zu sein, bei denen man sich nicht vor ungezügelter Fortpflanzung fürchten muss. (Ja, ich bin wirklich nicht sonderlich nett)


Nach drei Tagen Berlin freue ich mich also auf meine Zeit dort. Ich freue mich auf das Fräulein H. mit dem Ganesha-Fimmel, ich freue mich auf schöne Buchläden und auf Knut (muss sein, steht auch im Grundgesetz), ich freue mich auf den eigenartigen Charme einer ollen Stadt mit lustigen Aktionszetteln an den Ampeln und ich freue mich darauf die Reaktionen der Berliner zu testen, WENN ICH DAS VOR MEINE WOHNUNGSTÜR LEGE:



..denn auch wenn ich für einige Zeit Wahl-Berlinerin werde,
so bleibe ich in meinem Herzen doch treue Bonnerin!