Mittwoch, 24. Dezember 2008

Merry *röchel* Christmas

Es ist ein Fakt, dass ich nicht krank werde. Als Kind hatte ich einmal im Jahr meine Grippe, aber ab meinem zwölften Lebensjahr hatte ich das Immunsystem eines griechischen Gottes. Und hochmütig wie ein griechischer Gott blickte ich spöttisch auf all jene, die wie lebendige Zielscheiben für Viren und Bakterien durch die Gegend liefen. Irgend etwas mussten sie doch falsch machen, diese Narren, wenn sie immer wieder erkrankten. Und dann kam der Dezember 2008 und ich verwandelte mich von einem Herkules zu einem Ikarus und stürzte ins Meer, wo die winterlichen Viren auf mich lauerten.

Es ist ein Fakt, dass ich nun seit fünf Tagen das Krankenbett hüte. Am Samstag Abend begann es mit leichtem Unwohlsein und einem läppischen Kratzen im Halse, welches ich geflissentlich ignorierte. Doch im 6-Stunden-Takt vermehrten sich die Symptome, so dass ich bald von dem Schlimmsten ausgehen musste. Mein scharfer Verstand vermutete sogleich die Spanische Grippe oder die Pest.

Als ich am Montag zum Arzt ging, machte ich diesen Unwissenden auch auf die Tatsache aufmerksam, dass ich jüngst sehr viel in der Zeitung über Simbabwe gelesen hätte, vielleicht hätte ich mich per Printmedien oder über das Internet mit Cholera angesteckt. Man höre ja immer von diesen Internet-Viren. Sehr wahrscheinlich, stimmte der Arzt mir zu, aber in diesem Falle falsch, da ich ganz offenbar eine Virusinfektion habe, die Cholera aber eine der fiesen bakteriellen Art sei. Die übertrage sich nicht über das Internet. Er plädiere daher für Ebola oder die Pocken. Und da ich ja eine Katze hätte, wäre Tollwut sowieso nicht von der Hand zu weisen. Er gab mir daher, mit der Bemerkung, dass Antibiotika bei Viren nicht helfen würden, eine Packung Aspirin gegen die Schmerzen und ich gab ihm dafür zum Abschied die Hand, in die ich im Wartezimmer noch so ausgiebig gehustet hatte.


Mein Leben als Kranke ist wahnsinnig ereignislos. In einem gewissen Alter erlauben es die Knochen nicht mehr den ganzen Tag im Bett liegen zu bleiben. Der Vorteil ist zweifelsohne, dass man (Kartoffelpüree und Apfelmus sei Dank) abnimmt. Der Nachteil ist die Langeweile, die mich u.a. dazu veranlasst hat einen Online-Intelligenztest zu machen, um zu sehen, ob ich mit Grippe dümmer bin als ohne. Und wie! 96 Punkte! Das sind satte 36 Punkte weniger. Gut, ich gebe zu, einige der Fragen habe ich gar nicht beantwortet, weil ich keinen Bock hatte in meinem Zustand Rechenspiele zu veranstalten, aber trotzdem: 36 Punkte! Ich hoffe, das gibt sich wieder. Holt man das wieder ein, wenn das Immunsystem wieder hergestellt ist? Oder ist so eine Grippe wie übermäßiger Alkohol- und Drogenkonsum: einmal futsch is' futsch?! Das erste also, was ich machen werde, wenn dieser kleine Ausflug ins Reich der Gehirnzellenmordenden Viren vorbei ist, ist den Test zu wiederholen.

Heute Abend jedoch werde ich mich damit begnügen Ente à l'Orange im Kreise der Familie zu essen. Gut, ich werde das Essen püriert vorgesetzt bekommen.. und ich werde in einem isolierten Raum alleine essen müssen.. aber ich werde hören können wie die anderen lachen und scherzen und so auf diese Weise teilhaben.. irgendwie.. *hust*