Donnerstag, 4. Dezember 2008

Hier besinnlich, drüben blutig

Der Dezember hat kaum angefangen und während wir besinnlich Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt schlürfen und darüber grübeln, wieso der Berliner Zoo Knuts zweiten Geburtstag nicht ordentlich feiern will und vernehmen, dass die EZB den Leitzins gesenkt hat, was doch sicher was Gutes ist, ist unser Kopf voll mit Weihnachtswunschlisten und der Überlegung was es am Heiligabend zu essen geben soll.

Es bleibt wohl ungewiss, ob die somalischen Piraten in ihrem Arbeitseifer Zeit für solche Gedanken finden. Und es stellt sich uns die äußerst berechtigte Frage, ob es in Mogadishu Weihnachtsmärkte mit Glühweinständen gibt? Und wenn nicht, ob da vielleicht ein Zusammenhang besteht.

Obama wird sich dieses Weihnachten sicherlich nochmal die Zeit nehmen und besinnlich den Weihnachtsbaum am Rockefeller Center besuchen oder was immer Amerikaner vor Weihnachten sonst so machen.
Im neuen Jahr wird er ja damit beschäftigt sein, bis 2011 die Soldaten aus dem Irak abzuziehen.
2011 - könnte sich das bitte jemand aufschreiben - obwohl der Barak, der lügt ja nicht, der ist viel zu korrekt. Und so nett. Und lächeln kann der. Ein schwarzer JFK.


Weniger JFK-like ist der russische Präsident Medwedewewewedeww, der anbietet Atom-U-Boote an Indien zu vermieten! (kurze Pause, um das wirken zu lassen)

Da Mumbai a.k.a. Bombay ja auf einer Insel liegt, werden es sich Patil und Singh sicherlich nicht zweimal überlegen, ein solches Angebot anzunehmen. In Neu-Delhi ist so ein U-Boot bestimmt schwieriger einzusetzen. Wie hoch wohl die monatliche Miete für so ein Atom-U-Boot ist? Und ob die Besatzung im Preis inbegriffen ist? Wenn die Steuerungstasten auf kyrillisch sind, könnte es sonst schwierig werden.


Währenddessen wird in Brüssel ganz tapfer 24h lang gefastet - Teufelskerle, diese EU-Kommissare. Denn der Dalai Lama spricht vor Ort, was die Chinesen, wie üblich, ein wenig verärgert. Aber auch nur ein wenig. Wahrscheinlich um sich von dem Gerede von Herrn Gyatso abzulenken, haben sie Frau Minogue ein Konzert in Peking geben lassen. I should be so lucky, lucky, lucky, lucky, I should be so lucky.. lalala. Wenn das der Mao wüsste.
Der ehemalige thailändische Premier Samak hört im Moment wohl eher Minogues Song Je ne sais pas pourquoi, dumdidum.. während in Simbabwe aktuell wahrscheinlich keiner singt, da flitzt seit August die Cholera durchs Land und Bobby Mugabe scheint nicht wirklich zu wissen, was er damit machen soll. Vielleicht möchte sie ja Mitglied in seiner ZANU-Partei werden, sie dürfte hilfreich bei dem Projekt sein dieses Land weiterhin konsequent gegen die Wand zu fahren. Aber nach vier Monaten wurde inzwischen der Nationale Notstand mal ausgerufen. Das wird sicherlich helfen.
Vielleicht auch um die Medien ein wenig mehr darauf zu stoßen. Die online-Versionen von Spiegel und Stern finden es im Moment zumindest noch wichtiger, mit wem Sarah Connor oder Anne Heche gerade anbändeln.
C
ondoleeeeeezza hingegen sind die beiden Damen egal und ist, weiterhin tapfer die Anti-Terrorismus-Flagge vor sich her schwingend, in Islamabad aufgelaufen. Dort ist es im Moment auch viel schöner als in Harare, wer kann's also verübeln?

Na ja, und wir, hier im kalten und dennoch hauptsächlich schneelosen Deutschland, sind damit beschäftigt die Heizung hochzudrehen und bei besinnlichen Klängen von der CD des singenden RTL-Schäfers das neue Buch von J.K.Rowling zu lesen, das literarisch sicher wie gewohnt an britische Klassiker wie die Das Bildnis des Dorian Gray und Stolz und Vorurteil erinnern wird.
Und auch wenn Marcel R.R. das sicherlich kulturell kaum erbaulich finden wird, so bin ich doch sicher, dass es den ein oder anderen Mitmenschen in Harare und Mumbai gibt, die gerne ihre Saris und was-auch-immer-die-Simbabwianer-anzubieten-haben gegen genau das eintauschen würden.


Während ich diesen Eintrag geschrieben habe, hat Spiegel online auch mal einen Eintrag über Bobby Mugabe reingestellt (offensichtlich hat einer der Mitarbeiter mal bei der BBC gespinkst). Wir gratulieren zum Timing.
Mademoiselle Cholera wurde aber nur am Rande erwähnt, aber wir müssen auch eingestehen, dass über 500 Menschen (schwarze Menschen, Afrikaner!), die lautlos in ihren vollen Windeln an namenlosen Straßenrändern und überfüllten, schlechtausgerüsteten Notlazaretten im südlichen Afrika gestorben sind (nicht zu vergessen die weiteren Infizierten, inzwischen über 10.000), nicht so viel hermachen wie dieses Krawumm und PengPeng in Mumbai, wo Briten, Amerikaner, Juden und Israelis (Weiße) das Ziel sein sollten.. und nebenbei noch ein paar Inder mitgestorben sind.....

Aber wir wollen an diesem Punkt auch noch einmal den EU-Kommissaren gedenken, die sich heute mutig unter Lebensgefahr weiße Solidaritäts-Schals umgehängt und nur Leitungswasser oder wahlweise Pellegrino getrunken haben. Es erfordert außerordentliche Stärke und Durchhaltevermögen, damit der menschliche Körper diese grausame Folter unbeschadet übersteht. Aber sie haben's geschafft und sich in die Herzen der Tibeter gefastet! Chapeau!!

Und allen anderen eine wunderschöne, besinnliche Vorweihnachtszeit!