Dienstag, 16. September 2008

Prokrastination

Da es in Prüfungsphasen westeuropäische Sitte ist, sich sämtlichen, möglichen Ablenkungsmanövern bereitwillig hinzugeben und mein karges Heim inzwischen so sauber und aufgeräumt ist, dass ich nun jederzeit eine Delegation aus einem fernen Land bei mir bewirten könnte, wandte ich mich den fruchtbaren Weiden des endlosen Internets zu, um erneute Zerstreuung zu finden – meine Hartnäckigkeit sollte belohnt werden und so stieß ich auf dieses entzückende Medium, dass dem Köpfchen, in welchem die Deklinationen und Konjugationen der lateinischen Sprache wie muntere Moleküle durcheinander sausen, Heiterkeit und weitere Ablenkung verspricht.

Nicht zu vergessen das Ego, denn für nichts anderes scheint eine eigene Homepage oder ein eigener Blog geschaffen worden zu sein: um dieses selbst nämlich zu streicheln und dann vor den Augen aller in die Öffentlichkeit zu schleifen und zu präsentieren.

SCHAUET HER, DIES BIN ICH!

Auch ich erliege dieser Versuchung und statt mich den Mysterien des participium coniunctum und des Gerundivums zu widmen, fröne ich meiner schonungslosen Selbstdarstellung in der Hoffnung zu gefallen.

Doch leider währt dieses virtuelle Amusement nur kurz, denn Caesar und Phaedrus geben mir mit ungestümen Gebrüll zu verstehen, dass sie meine post-pubertäre Trägheit nicht länger zu dulden gewillt sind und verweisen hysterisch auf den kommenden Freitag, an dem mein lateinisches Schicksal seine Erfüllung finden wird.

So füge ich mich angesichts der nahenden Klausur, schalte den Computer aus und schlage schmollend „de bello gallico“ auf..