Donnerstag, 18. September 2008

Pläne

Da morgen um diese Zeit die Klausur, die mein weiteres Schicksal entscheiden wird und dazu fähig ist mein Leben auf Gedeih und Verderben grundlegend zu beeinflussen, vorbei sein wird und mir der olle Gaius schon zu meinen überaus germanischen Ohren herauskommt, flüsterte mir die kleine, sanfte Stimme in meinem Kopf (ihr Name ist Eva) ich solle der Einöde dieser Sprache entfliehen und Dumnorix, Vercingetorix und Konsorten in derselben alleine zurücklassen. Und da ich immer mache, was mir die Stimmen in meinem Kopf sagen (es sind momentan elf), finde ich mich unversehen hier wieder – und dennoch kann ich nicht anders: meine Gedanken bleiben dem morgigen Tage verhaftet.

ABER zu meiner eigenen Überraschung verspüre ich eine leise Brise Optimismus gepaart mit einem Quäntchen Hoffnung meinen Körper sanft umspülen. Sollte ich das größte Hindernis, das zwischen mir und meinem Abflug nach Israel im nächsten Winter liegt, am morgigen Tage tatsächlich aus meiner Welt fegen können? Die pure Möglichkeit versetzt mich in kindliche Euphorie.

Auch wenn zwischen dem Heute und meiner Abreise noch über ein Jahr liegt, so gilt es noch weitere Hindernisse zu überwinden, Ozeane zu durchqueren, Riesen zu bezwingen und Scheine zu erwerben. Die Dinge, die ich nicht mit meinem unfassbaren Intellekt und meiner unbegrenzten Bescheidenheit zuwege bringen kann, werde ich mit Erpressung, Bestechung, Mord oder wahlweise Coitus schon zu erreichen wissen.

Mit geladener Schrotflinte werde ich nachts vor dem Seminar harren, um mich am Morgen als erstes in die Listen eintragen zu können. Jeder Rentner, der mir einen Sitzplatz im Hörsaal streitig macht und/oder zu laute Atemgeräusche von sich gibt, so dass ich mich nicht vorschriftsmäßig konzentrieren kann, wird vorschriftsmäßig dem Restmüll zugeführt. Jeder Dozent, der auch nur mit dem dümmlichen Gedanken spielt, mich in einem Seminar durchfallen zu lassen, wird in mitleiderhaschenden Tränen erstickt und durch ihr nicht-reflektiertes Christentum geradewegs dazu genötigt mir den Schein zu geben. Ich werde Koffein schnupfen, trinken, spritzen, werde eine eigene Starbucks-Filiale im Keller eröffnen, nur um immer flinken Nachschub zu haben. Ich werde mir einen Hahn kaufen, nur um vor den ersten Hahnenschrei aufstehen zu können und auf dem Boden auf Reißzwecken schlafen, um mich abzuhärten.

Der Plan ist fehlerlos.

Es sei denn, ich falle morgen durch.

Das wäre dann allerdings blöd.