Donnerstag, 25. September 2008

Panpsychische Problematik

Haben Sie (mit wem rede ich hier eigentlich?) schon einmal ernsthaft versucht Ihren Hausrat auszumisten? Ich rede hier nicht von alten Kochtöpfen, kaputten Handtüchern, löchrigen Socken oder Joghurt, der eh morgen abläuft – ich rede von Kram. Richtigen Kram. Man kann ihn nicht wegschmeißen!!

Man nimmt ihn in die Hand – neben einem steht schon der Mülleimer, lechzend nach seiner nächsten Fütterung –, man wiegt den Kram bedächtig in der Hand hin und her und dann legt man ihn an dieselbe Stelle, von der man ihn gerade hergeholt hatte.

Ein Beispiel: ich habe eine leere (!!) Flasche, in der sich einst so eine Art Bademilch befunden hat. Sie schaut ein wenig aus wie eine zu klein geratene Milchflasche, hat ein nettes Etikett und darauf steht auch so etwas wie Cleopatra Bath (was angesichts von Bademilch ja ungemein kreativ ist).

Diese Flasche steht nun nicht in einem Regal oder irgendwo im Bad. Sie liegt in einer Kiste mit anderem Kram; und die Kiste befindet sich im Kleiderschrank hinter dem Wäschekorb. Soviel dazu. Ich hole die Flasche auch nicht zwischendurch mal raus und denke dann „Ach ja, die Flasche.. hi hi.. das waren noch Zeiten!“ Sie liegt ununterbrochen in der Kiste und die Kiste steht ununterbrochen im Kleiderschrank hinter dem Wäschekorb. Auf nichts trifft das Wort sinnlos mehr zu, als auf die bloße Existenz dieser Flasche.
Nur, auf eine primäre, unterentwickelte Art und Weise verbinde ich etwas mit ihr: ich habe sie in einer Art „Body Shop“ in der Mall in Haifa gekauft. DAS ist das ganze Geheimnis, warum ich diese Flasche nun seit einem Jahr nicht wegschmeiße und sie so vor einem trostlosen Leben im Glascontainer bewahre. Und es spielt auch keine Rolle, wie sehr ich mir mit logischen Argumenten und ganz rational und sachlich vor Augen führe, wie stupide es doch ist, diese Flasche aufzubewahren, die weder sonderlich schön, noch praktisch (und vor allem leer) ist und die ich die ganze Zeit in einer Kiste vor der Weltöffentlichkeit verberge: ich kann sie einfach nicht wegschmeißen!

Das an sich ist vielleicht nicht sonderlich tragisch. Jeder hat wahrscheinlich den ein oder anderen Gegenstand, der zweckfrei in irgendeiner drögen Ecke sein zweifelhaftes Dasein fristet. Nur habe ich mehr als nur diese, eine Flasche. Ich besitze schätzungsweise 2.603 Gegenstände dieser Art in meinem bescheidenen Heim. Schätzungsweise. Und sie alle haben keine sonderlich spannende Geschichte zu erzählen und sind nicht schön genug, als dass ich sie außerhalb eines Pappkartons aufhebe.

Aber jeder einzelne Gegenstand scheint in dem Moment, in dem man ihn in der Hand hält und ihn prüfend in die Nähe des Mülleimers manövriert, zu schluchzen und zu wimmern und auf eine nicht hörbare Weise mit dem bösen, bösen Unterbewusstsein zu kommunizieren, so dass man ihn am Ende wieder nicht wegschmeißen kann und ihn wieder zurücklegt.

Worauf will ich hinaus?

Das mit dem Gandhieren hat am Wochenende nicht so geklappt, wie ich mir das vorgestellt habe.......